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Als letzter Schritt in der Entwicklung digitaler Systeme steht deren physikalischer Aufbau,
d.h. der Entwurf und die Herstellung der Leiterplatte,
auf der die Bauelemente des Systems elektrisch verbunden werden.
Der experimentelle Aufbau der Systeme ist in manchen Fällen unverzichtbar,
um das Zusammenspiel der Hardware mit anderen Systemen zu testen und eventuelle
Fehlerfälle aufzudecken, die durch reine Simulation nicht erkannt werden können.
Software-Werkzeuge
Schaltplaneingabe
Der erste Schritt im Entwurf einer Leiterplatte ist die Eingabe des Schaltplans. Sämtliche Bauelemente, die
verwendet werden sollen (Widerstände, Kondensatoren, Stecker, ICs etc.), müssen sich dazu in einer
Bauteilbibliothek befinden. Die Elemente werden in den Schaltplan eingefügt und anschließend verdrahtet.
Layoutentwurf
Nach Eingabe und Prüfung des Schaltplans kann die physikalische Struktur der Platine entworfen werden. Dazu
werden sämtliche Bauelemente aus dem Schaltplan auf der Platine positioniert und durch Leiterbahnen
miteinander verbunden (Routing). Das Tool unterstützt den Entwickler, indem es die Verbindungen anzeigt, die dem
Schaltplan zufolge gemacht werden müssen. Zum Abschluß kann das Layout mit umfangreichen Funktionen automatisch
überprüft werden.
Als Software-Werkzeug für den Entwurf der Leiterplatten wird am IND die Integra-Station von Mentor Graphics verwendet.
Dieses professionelle Entwicklungswerkzeug wird auch in der Industrie häufig eingesetzt und ermöglicht die
Erstellung von mehrlagigen Leiterplatten.
Es wird eingesetzt
Leiterplattenerstellung
Am IND wird ein Fräsbohrplotter verwendet, um zweilagige Platinen selber herzustellen. Mehrlagige Platinen sind
aufwendiger in der Fertigung und werden extern gefertigt.
Datenaufbereitung
Für die physikalische Fertigung der Platinen muss zunächst das proprietäre Datenformat der Integra-Station in ein
standardisiertes CAM-Format umgewandelt werden (Gerber-Format). Die Daten im Gerber-Format werden von der
Software CircuitCAM zur Berechnung der Bohr- und Fräsdaten verwendet. Das letzte Tool in der Kette
(BoardMaster) übernimmt die Fräsdaten und steuert damit den Fräsbohrplotter.
Galvanische Durchkontaktierung
Im ersten Fertigungsschritt werden sämtliche Löcher durch den Fräsbohrplotter in die Platine gebohrt. Direkt im Anschluss erfolgt die
Durchkontaktierung. Dazu wird die Platine für ca. 45 Minuten in ein Bad getaucht, in dem Kupfer galvanisch
aufgetragen wird. Dieses Kupfer wandert auch in die Löcher und sorgt so für eine
elektrische Verbindung von Ober- und Unterseite der Platine (sog. Durchkontaktierung).
Fräsbohrplotter
Im Anschluss an die Durchkontaktierung wird die Platine wieder in den Fräsbohrplotter eingespannt und die
Leiterbahnen auf Ober- und Unterseite der Platine werden durch abfräsen des Kupfers zu beiden Seiten der
Bahnen gebildet (Isolationsfräsen).
Am IND wird ein Fräsbohrplotter von LPKF (ProtoMat95s/II) verwendet. Durch den automatischen
Werkzeugwechsel laufen alle Vorgänge beim Fräsen und Bohren (bis auf das Einspannen der Platine)
automatisch ab. Der Fräsbohrplotter kann zwischen verschiedenen Werkzeugen wählen (Bohrer,
Universal-Fräser, Mikro-Fräser etc.). Hier ein paar interessante Leistungsdaten des Plotters:
- Auflösung des Schrittmotors: 6,25 um
- Fräsbohrspindel mit 10.000 - 60.000 Umdrehungen/min
- Mindestleiterbahnbreite: 0,1 mm (4 mil)
- Mindestabstand der Leiterbahnen: 0,1 mm (4 mil)
- Kleinster Bohrdurchmesser: 0,2 mm (8 mil)
Er wird eingesetzt
- zur Durchführung von Studien- und Diplomarbeiten und
- im Praktikum "Datenverarbeitung".
Erstellung von Daten für externe Produktion von Mehrlagenkarten
Der externe Hersteller benötigt im wesentlichen die Gerber-Daten des Layouts. Hierfür wird von der
Integra-Station für jede Lage der Platine ein separates Gerber-File erzeugt. Auch für die Bohrungen wird
eine Datei generiert. Weitere Lagen können die Lötstopmaske und die Maske für die Lötpaste sein. Für
bestimmte Bauteile, z.B. ICs im BGA-Gehäuse, kann die Bestückung ebenfalls extern erfolgen.
Aufbau und Test
Arbeitsplätze
Nach der Fertigung der Platine erfolgt deren Bestückung mit den Bauteilen. Hierfür stehen mehrere
Arbeitsplätze mit Lötstationen und Werkzeug zur Verfügung.
Logikanalyzer
Um die korrekte Funktionsweise der aufgebauten Hardware zu überprüfen oder um Fehler in digitalen Systemen
aufzuspüren, ist ein Logicanalyzer unerlässlich. Zwei Analyzer können am IND verwendet werden. Für eine
große Anzahl an Kanälen kann das Zeitverhalten untersucht werden (Timing-Analyse) oder das rein logische
Folgeschaltverhalten (State-Analyse), wobei dem Analyzer hierbei zusätzlich der Takt des untersuchten
Systems zugeführt werden muss:
- 1. Logicanalyzer: 4 GHz Timing, 1 GHz State, 32 Kanäle
- 2. Logicanalyzer: 500 MHz, Timing, 110 MHz State, 64 Kanäle
Patterngenerator
Manchmal genügt es nicht, ein digitales System nur passiv mit dem Logikanalysator zu beobachten. Vielmehr
muss man das System mit bestimmten Signalen an seinen Eingängen reizen, um zu testen, ob es in der
gewünschten Weise reagiert. Hierzu kann ein Pattern-Generator verwendet werden. Am Institut steht ein 40
Bit breiter 200Mvector/s Generator zur Verfügung.
Speicheroszilloskop
In den heutigen digitalen Systemen mit ihren hohen Taktfrequenzen sind analoge Effekte, wie z.B.
Reflexionen an Leitungsenden etc., nicht zu unterschätzen. Mit dem 2-Kanal-Speicheroszilloskop können
bei 2 GSamples/s hochfrequente Signale auf ihr analoges Verhalten untersucht werden.
Viele weitere Laborgeräte, wie z.B. Impulsgeneratoren, Labor-Netzteile, Oszilloskope können zur
Untersuchung der Hardware verewendet werden.
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